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Exklusiv-Interview: METRO-Manager Martin Behle zur 19%-Entscheidung

In der Nacht zum 17. November tagte der der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages. Auf der Tagesordnung stand neben weiteren ebenfalls wichtigen Themen auch die Entscheidung, ob die aufgrund der COVID-Pandemie befristet gesenkte Umsatzsteuer von 19 auf 7% auch für In-house-Verzehr zum 1.1.2024 wieder auf 19% angehoben werden soll.

Es gibt viele Argumente, die dafür sprechen. Allerdings gibt es mindestens ebenso viele Argumente, die für eine dauerhafte Festschreibung der reduzierten Umsatzsteuer in der Gastronomie sprechen. Arbeitskräftemangel und hohe Rohstoff- und Energiekosten stehen hier ganz oben auf der Liste.

FSE-News Herausgeber Tim Oberstebrink fragte hierzu einen der mit der Branche bestens vertrauten Manager zu Einschätzungen, Meinung und Aussichten: Dr. Martin Behle ist für die METRO AG als Chief HoReCa Officer aktiv und ist gleichzeitig Geschäftsführer der Gastro Equipment Holding.

FSE-News: Dr. Behle, wie bewerten Sie allgemein die wohl sichere Entscheidung, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wieder zu erhöhen?

Martin Behle: Noch ist nichts final entschieden, zum aktuellen Zeitpunkt muss man allerdings leider davon ausgehen. Dazu kann ich nur sagen: Die politische Rückkehr zu 19% Mehrwertsteuer in der Gastronomie ist ein bitteres Signal für die Branche und das gesellschaftliche Leben in Deutschland, denn damit steht der Fortbestand vieler tausend Betriebe auf dem Spiel. Und die sozialen und wirtschaftlichen Folgekosten dieser Entscheidung wurde meines Erachtens viel zu wenig diskutiert und berücksichtigt. Zudem bleibt damit die Steuergerechtigkeit bei Lebensmitteln weiterhin auf der Strecke: Denn noch konnte mir niemand erklären, warum die Pizza im Pappkarton geliefert gegenüber der Pizza auf dem Teller steuerlich bevorzugt wird. Das ist Irrsinn und das hätte man endlich einmal bereinigen können.

FSE-News: In welcher Weise glauben Sie, wird die Mehrwertsteuererhöhung die Gastronomiebranche, insbesondere kleinere Betriebe, beeinflussen?

Martin Behle: Sollte es final dazu kommen, werden wir leider viele Gastronomen sehen, die aufgeben müssen. Das wird besonders die kleine und mittlere Individualgastronomie treffen, also das Herz der gastronomischen Vielfalt in unserem Land. Denn durch den allgemeinen Kostendruck wird es den Gastronomen kaum möglich sein, die Mehrwertsteuererhöhung nicht an die Gäste weiterzugeben. Das trifft dann insbesondere Gäste mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, die sich den Restaurantbesuch heute noch ab und zu leisten, dann aber noch weniger oder nicht mehr ins Restaurant gehen. Die Konsequenzen davon werden wir vielerorts sehen, vor allem auf dem Land, aber auch in den Innenstädten, wo auf die Betriebsschließung der Leerstand folgt und dies auch Konsequenzen für den Einzelhandel und die umgebende Infrastruktur haben wird.

FSE-News: Wie plant METRO, ihre Kunden im Gastronomiesektor in Anbetracht dieser Steuererhöhung zu unterstützen?

Martin Behle: Wir haben zuletzt viel Energie investiert, um die Politik über die Konsequenzen einer Mehrwertsteueranhebung  zu informieren, und dies im Schulterschluss mit anderen Akteuren und Verbänden. Und auch wenn jetzt politisch anders entschieden wird, werden wir die öffentliche Unterstützung der Branche selbstverständlich fortführen. Darüber hinaus arbeiten wir als METRO im Rahmen unser neuen Strategie intensiv dran, den Einkauf unserer Kunden noch effizienter zu gestalten und die damit auch ein Stück weit wirtschaftlich zu entlasten. Denn unsere Kunden erwarten von uns vor allem drei Dinge: Eine hohe Warenverfügbarkeit, einen attraktiven Preis und eine hohe Stabilität im Kernsortiment. Genau darauf konzentrieren wir uns mit unserem neuen Staffelpreismodell sowie dem massiven Ausbau unserer Eigenmarken, die hohe Qualität und einen attraktiven Preis verbinden. Nicht zuletzt liegt auch in der Digitalisierung ein großes Potenzial für Effizienzsteigerung und Kostenreduktion für die Gastronomie, und auch hier bieten wir umfangreiche Services – vom Menu Engineering über die digitale Reservierung und Bestellung bis zum komplett digitalen Kassensystem für den Gastronomen.

FSE-News: Gibt es spezifische politische Maßnahmen oder Unterstützungen, die der Gastronomiebranche jetzt noch helfen können?

Martin Behle: Ich plädiere in jedem Fall dafür, den politischen Dialog aufrechtzuerhalten und fortzuführen, auch wenn sich die Entscheidung bewahrheiten sollte. Denn die Branche ist ein großer Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in Deutschland, und die Politik muss wissen, wie es der Branche geht und welche Konsequenzen ihr Handeln hat. Zudem gibt es weitere drängende Themen, wo politische Unterstützung Not tut: Das ist zum Beispiel das Thema Arbeitskräfteknappheit, wo es weiterer Anstrengungen bedarf, um den Weg zwischen potenziellem Mitarbeiter und anstellendem Betrieb zu vereinfachen. Das Thema Entbürokratisierung gilt dabei auch für viele andere bürokratische Auflagen und Dokumentationspflichten der Branche, die einem Praxischeck unterzogen und vereinfacht und entschlackt werden müssen.

FSE-News: Wie schneidet Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ab, wenn es um die Besteuerung im Gastronomiesektor geht, und was können wir von diesen Märkten lernen?

Martin Behle: Die meisten europäischen Staaten haben längst eingesehen, dass die Ungleichbehandlung von gestern ist. 23 EU-Länder machen da aus gutem Grund keinen Unterschied zwischen Essen im Restaurant, vom Lieferdienst oder aus dem Supermarkt. Es ist also quasi ein deutscher Alleingang, der eine gesamte Branche in eine Notlage bringt. Hinzu kommt die generelle politische Wertschätzung der Gastronomie: Auch hier können wir uns von Ländern wie Frankreich, aber auch Spanien oder Italien etwas abschneiden, wo die Branche auch politisch etabliert ist und Genuss und Gastfreundschaft als Markenzeichnen kultiviert und gewertschätzt wird.

FSE-News: Wie sehen Sie die Zukunft der Gastronomiebranche in Deutschland unter diesen neuen steuerlichen Bedingungen?

Martin Behle: Ich bin von Grund auf ein optimistischer Mensch – also hoffe ich sehr, dass viele Betriebe trotz der zusätzlich erschwerten Rahmenbedingungen einen Weg finden werden, ihre Gäste zu halten und weiter zu machen. Denn die Branche ist einfach genial und hat eine unheimliche Widerstandsfähigkeit. Das hat sie zuletzt während und nach Corona unter Beweis gestellt! Hinzu kommt eine generell steigende Qualität und viele neue kreative Konzepte, die neugierig machen und Gäste anziehen. Denn Gastronomie ist neben dem sozialen Ort vor allem auch Vielfalt, und diese Vielfalt muss auch in Deutschland unbedingt erhalten bleiben!

FSE-News: Herr Dr. Behle, herzlichen Dank für das Gespräch!

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