Technologie der Zukunft: Umbau und Neubau mit BIM

Building Information Modeling (BIM): Technologie der Zukunft

Immer häufiger fällt der Begriff, wo es um Konstruktionen geht: BIM (Building Information Modeling). Im Jahr 2015 wurde mit der Implementierung begonnen. Dabei ist die oberste Priorität, dass ein branchenweiter Standard erstellt wird.

Ursprünglich kommt BIM aus der Architektur und ist durch Anfragen aus den USA nach Deutschland gekommen. Seit 2011 gab es dadurch die ersten Berührungspunkte in der Großküchenindustrie. Von den ersten Berührungspunkten bis zur Implementierung ist einige Zeit verstrichen, da BIM in Deutschland zunächst sehr vorsichtig beobachtet wurde. Als dann einige international agierende Hersteller die Relevanz von BIM erkannten und die Technologie für sich übernahmen, ging alles sehr schnell. Mittlerweile liegt es auf der Hand, dass jeder auf BIM umsteigen muss, der international wettbewerbsfähig bleiben möchte. Die rechtlichen Rahmenbedingungen ebnen nach und nach den Weg für BIM. In einigen Ländern werden öffentliche Bauprojekte bereits nur noch mit BIM ausgeschrieben und das wird zukünftig noch mehr.

Was macht die Technologie BIM also um so vieles besser, dass sie auf dem Weg ist, unverzichtbar zu werden?

Zu den großen Vorteilen von BIM zählt die dreidimensionale Abbildung des gesamten Bauprojekts. Das gilt auch für die Planung einer Großküche. Wie in allen BIM-Projekten kann der gesamte Lebenszyklus der Großküche und jeden einzelnen Geräts darin in 3D abgebildet werden. Jeder Bau-, Funktions- und Wartungsschritt von Geräten kann bereits visualisiert werden, bevor die Küche tatsächlich eingebaut wird. Alle relevanten Parameter für die Installation und die spätere Nutzung – wie z.B. Informationen über Anschlüsse, Materialien, Pflege- und Wartungshinweise – werden als Information in digitaler Form an ein Modell geheftet. Das schafft einen besseren Überblick, Fehler und Planungskonflikte werden schneller erkannt und können noch vor der Bauphase behoben werden. Das spart auf lange Sicht Zeit und Kosten. Von dort aus können sich weitere Chancen ergeben, die man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen kann. Wenn die Küche in digitaler Form bereits als fertige Einheit „funktioniert“ bevor sie tatsächlich in Betrieb genommen wird, birgt das viel Optimierungs- und Entwicklungspotential in sich. Beispielsweise kann die Effizienz der Geräte in Summa gesteigert werden.

Doch wo es Vorteile gibt warten meist auch Herausforderungen. Wie bei allen neuen Technologien muss erst einmal investiert werden, bevor der Nutzen sichtbar wird. Damit tun sich einige Akteure schwer. Um das volle Potenzial von BIM ausschöpfen zu können, muss die gesamte Industrie weltweit an einem Strang ziehen. Es werden Standards benötigt, an die sich alle halten. Die Standards gibt es bereits. Sie wurden von führenden Herstellern Europas in Zusammenarbeit mit dem Verband der Fachplaner (FCSI) und dem Verband der Großküchenindustrie (HKI) erarbeitet. Diese Standards nun so zu implementieren, dass jeder den Mehrwert erkennt und damit arbeiten wird, ist momentan die größte Herausforderung. Zeitgleich wird auch daran gearbeitet, die Standards stetig zu optimieren, um die Zusammenarbeit zwischen Großküchenindustrie und Fachplanung zu vereinfachen. Der Adaptionsprozess kann nur durch einheitliches Vorgehen und die Verbreitung eines einheitlichen Standards beschleunigt werden.

In den Köpfen herrschen noch unterschiedliche Konzeptvorstellungen vor. Man konzentriert sich zu stark auf seine eigenen Aufgaben und denkt, man müsse sie allein bewerkstelligen. Dabei würde sich alles viel schneller lösen lassen, wenn alle zusammenarbeiten und dem anderen entgegen kommen. BIM ist Teamwork. Das muss vielerorts noch verstanden werden. Versucht man Barrieren aufrecht zu erhalten oder zu schaffen, funktioniert BIM nicht. Es wird oft vergessen, dass BIM eine Arbeitsweise ist und nicht nur von Software abhängig. Auch wenn sich alle an gewisse Standards halten, bleibt noch genug Raum, um die Methode individuell anzuwenden.

Eine flächendeckende Nutzung der Technologie ist daher noch nicht erreicht. Eine kritische Masse, die mit BIM arbeitet, hat sich bereits etabliert, allerdings ist da noch viel Raum nach oben offen. Hersteller, die an internationalen Großprojekten beteiligt sind, nutzen die Technologie bereits, da es der Markt verlangt. Dabei handelt es sich tendenziell um Hersteller, die fest verbaute Küchengeräte produzieren wie Heißluftdämpfer, Kühlschränke, Spülmaschinen oder größere Geräte wie gewerbliche Kaffeemaschinen. Hersteller von Kleingeräten wie Mikrowellen oder mobilen Geräten wie Servierwagen stellen überwiegend noch keine BIM-Daten zur Verfügung. Die werden aber nachziehen müssen, da der Küchenfachplaner Stellflächen und Versorgungsleitungen einplanen muss.

In Bezug auf die Software hat man sich überwiegend auf die Arbeit mit Autodesk REVIT geeinigt. Ungefähr 80% der Großküchenfachplaner arbeiten mit dieser Software, sodass sich viele Hersteller daran anpassen. Um BIM schon von Beginn an in einheitliche Bahnen zu lenken, haben sich die führenden Unternehmen der Branche zusammengefunden und koordiniert über HKI, EFCEM und FCSI ein Data Dictionary erstellt, das alle in der Großküche relevanten Parameter einheitlich codiert. Das Data Dictionary ist mittlerweile in sechs Sprachen verfügbar und soll nicht nur in weitere Landessprachen übersetzt, sondern langfristig auch für andere Softwareprogramme nutzbar gemacht werden.

Die Grundstrukturen weltweit so zu implementieren, dass alles in eine gewinnbringende Richtung läuft, ist mittelfristig die Hauptaufgabe. BIM ist keine Modeerscheinung, sondern eine unabdingbare Technologie der Zukunft. Dafür müssen alle global denken und nicht mehr national. An diesem Punkt müssen wir auch über die Großküche hinausblicken und die Zusammenarbeit mit den angrenzenden Stakeholdern im Baugewerbe anstreben. Auch hier soll kommuniziert werden, dass die Großküchenindustrie BIM-Daten liefert. Das ist nicht nur für die Großküchenfachplaner, sondern auch für Bauingenieure, Generalplaner und schließlich für die Auftraggeber relevant. Es ist also noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Bei denen, die schon auf den Zug aufgesprungen sind, herrscht Optimierungsbedarf in allen Bereichen. Dazu zählen Softwarelösungen und auch die generelle Zusammenarbeit der unterschiedlichen Stakeholder, vorwiegend Hersteller, Küchenfachplaner und Softwareanbieter. BIM ist nicht nur eine Methode, BIM hat viel mit Zwischenmenschlichkeit und sozialer Interaktion zu tun. Es bietet noch viel Raum für Innovation auf allen Ebenen.


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