Rational öffnet Connected Cooking – und präsentiert Küchen-Betriebssystem

Matthias Lahr (RATIONAL AG) erklärt die neue Positionierung von Connected Cooking

Die RATIONAL AG hat jetzt beschlossen, ihr eigenes System der vernetzten Küche als offene Plattform zur Verfügung zu stellen. Offen bedeutet: Es können auch Maschinen und Geräte anderer Hersteller eingebunden werden, beispielsweise Kühl- und Spültechnik. Vorausgesetzt, die Schnittstellen werden zum Übertragen von Geräte-Informationen genutzt. Basis des Küchenbetriebssystems ist das eigene Tool, das bereits als „Connected Cooking“ bekannt ist.

Für RATIONAL ist das Thema eine genau definierte neue Säule des Konzerns, und dafür wurde bisher bereits ein siebenstelliger Betrag in die Hand genommen.

Das mit der Digitalisierung von Gastronomiebetrieben ist so eine Sache. Bei Reservierung und Warenwirtschaft ist man in der Regel bereits weit fortgeschritten. Auch der Einkauf kann, mit der richtigen Plattform, noch effizienter und vor allem noch kostengünstiger gestaltet werden.

Schaut man sich seinen gesamten Betrieb an, kommen über kurz oder lang zwei große Schmerzpunkte zutage: Der Energieverbrauch und das lästige, weil manuelle Ausfüllen von Dokumentations-Checklisten. So ist beispielsweise das Thema Hygienemanagement ein einfach zu implementierendes digitales Tool. Ebenso sind weitergehende HACCP-Dokumentationspflichten mit digitalen Plattformen umsetzbar: Weg vom manuellen Erfassen von beispielsweise Kühlhaus- oder Kerntemperaturen in Wareneingang und
Speisenverteilung oder -ausgabe.

Jedoch: Alle derzeit vorhandenen Systeme zur digitalen Führung eines Küchenbetriebs sind derzeit noch Insellösungen. Mit der Folge, dass Gastronomen und Hoteliers eher zögerlich sind, wenn es um die Einführung von digitalen Hilfsmitteln sind. Einfach deswegen, weil es noch keinen „Industriestandard“ gibt – und man somit nicht sicher ist, ob man auf das richtige Pferd setzt.

Also ist die Entscheidung, selbst den Branchenstandard zu setzen, nur folgerichtig. Die ersten Hersteller sind bereits als Kooperationspartner an Bord und stellen ausgewählte Betriebsdaten ihrer Maschinen auch für Connected Cooking zur Verfügung. Dadurch muss nicht zwingend eine eigene bereits vorhandene Lösung ersetzt werden, aber für den Anwender wird es so bequemer. Und sei es nur, um Energieverbräuche besser steuern zu können oder auch Synergien für Wartungseinsätze zu nutzen. Schließlich kostet häufig auch jede Anfahrt Zeit und somit Geld.

Warum überlässt man das Spielfeld nicht einfach denjenigen, die bereits digitale Marktführer sind? Den Googles und Facebooks, den Amazons und Apples? Die Internet-Konzerne haben nämlich in allen Digitalisierungs-Belangen längst die Nase vorn – und können es quasi allein mittels ihrer bereits vorhandenen Ressourcen schaffen, einen Industriestandard zu generieren und auszurollen.

Jedoch: In der Folge kann das bedeuten, was heute bereits die Automobilindustrie fürchtet: Der Hardware-Hersteller wird zum Lieferanten desjenigen Internet-Riesen, der den Markt für sich entdeckt und erobert. Mit der Folge, dass das Entwickeln eigener Technologien künftig weniger lohnend wäre – auch deswegen, weil die Anforderungen anders definiert würden. Zu Lasten des Kunden, der sich eine Branchenlösung wünscht und sich nicht einem Fremdsystem unterwerfen will.


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