Neujahrsbrief 2020

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Neujahrsbrief 2020Das ausgehende Jahr gibt gewissermaßen Gelegenheit zum Nachdenken. Über Vergangenheit und Zukunft, über Stillstand und Veränderung. Ich denke, es ist eine passende Gelegenheit, sich einmal tiefer greifende Gedanken zu machen.

Es gibt drei Arten von Menschen. Die Unbeweglichen. Die Beweglichen. Und dann jene, die sich aus eigenem Antrieb bewegen. Sua sponte, wie der Lateiner sagt.

Für das neue Jahr möchte ich Ihnen Mut machen. Mut, sich nicht von Anderen bewegen zu lassen. Mut, nicht in Schockstarre oder Unsicherheit unbeweglich zu werden. Mut, das anzupacken, was vor uns liegt. Auch wenn es uns vielleicht nicht gefällt.

In diesem Jahr habe ich die beiden aus meiner Sicht relevantesten Bücher gelesen, die helfen, die Welt von heute besser zu verstehen und die von Morgen besser zu gestalten. Im Kleinen wie im Großen.

Das erste Buch heißt „Silkroads“, also „Seidenstraßen“., geschrieben von Peter Frankopan. Die Essenz der Lektüre, nachdem man sich durch fast 3.000 Jahre Geschichts-Krimi gearbeitet hat: Globalisierung hat es zu jeder Zeit gegeben. Und Ja, der weltwirtschaftliche Kräfte-Pol dieses und wahrscheinlich der nächsten 2 oder 3 Jahrhunderte wird in Asien liegen. Das mag uns Angst machen – muss es aber nicht. Es sollte uns ermutigen, uns entsprechend vorzubereiten und anzupassen.

Handelskriege, Zölle, Rechtsrucke, linker wie rechter Populismus – all das sind Blockade-Taktiken. Versuche, mit Ungewissheit oder sogar unbequemen Wahrheiten umzugehen. Oder zumindest die Entwicklungen so weit zu verlangsamen, dass sie die eigenen Lebzeiten nicht betreffen werden.

Das zweite Buch heißt „Green New Deal“, geschrieben von Jeremy Rifkin. Ein Mittsiebziger, den die wichtigsten Staatschefs der Erde einluden und einladen, um die Gesellschaften der Zukunft zu modellieren. Ein unbequemes Unterfangen, aber ein wirtschaftlich notwendiges. Vor allem vor dem Hintergrund, dass bei Unbeweglichkeit Aller das 6. Massensterben auf unserem Planeten bis zum Ende dieses Jahrhunderts wohl gewiss sein wird. Und weil, wiederum wegen Unbeweglichkeit, durch den Niedergang fossil befeuerter Geschäftsmodelle Anlagewerte in fast dreistelliger Billionenhöhe (sic!) vernichtet werden können. Für die Weltwirtschaft ein Fiasko.

Jeremy Rifkin modelliert teilweise utopische und manchmal auch dystopische Zukunftsbilder – allerdings ist eines sicher: Unbeweglichkeit wird dafür sorgen, dass die Kinder, die im ausgehenden Jahrzehnt geboren wurden, bis zu ihrem (natürlichen) Lebensende einen anderen Planeten wiederfinden als sie ihn kannten. Allerdings wohl keinen lebenswerteren.

Wer die Bücher lesen möchte oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Allerdings möchte ich Euch Mut machen, nicht zur Riege der Unbeweglichen zu gehören. Unsere Gesellschaft steht vor Herausforderungen, die lange nicht mehr so komplex waren.

Eines ist sicher: Abzuwarten, bis sich Andere bewegen, bedeutet gleichzeitig, hinterher zu laufen. Und zu sagen „Ich allein kann ohnehin nichts ausrichten und wir können die Welt nicht retten, solange Andere noch Mist bauen“, ist der beste Beweis für Unbeweglichkeit.

Egal, was kommen wird: Der Wandel unserer Gesellschaft wird Geld kosten – soviel ist sicher. Aber je länger wir darauf beharren, besser nichts zu tun, desto teurer wird es werden. Und: Je eher wir damit beginnen, desto rascher werden sich die Investitionen amortisieren.

Es gibt Wichtigeres als Euro-Diskussionen. Es gibt Wichtigeres als Greta-Diskussionen. Es gibt Wichtigeres als Flüchtlings-Diskussionen. Und es gibt Wichtigeres als unser Leben, wie es heute ist.

Das Wichtigste ist unser Leben, wie es in der Zukunft ist.

Wer keine Veränderung will, der sucht und findet immer Gründe, die ihn rechtfertigen sollen. Wer sie aber will, der sucht und findet Wege, wie es klappen könnte. Auch wenn wir uns blutige Nasen holen und aufgeschlagene Knie. Egal! Wir stehen wieder auf und machen weiter.

Lassen Sie uns Diejenigen sein, die sich von sich aus bewegen. Von der Auswahl des nachhaltig erschaffenen Fleischstücks mit Verzicht auf Massentierhaltung bis zur Entscheidung, mit welchem Verkehrsmittel es in den Urlaub gehen wird. Wer auf sein Auto nicht verzichten kann, soll dies auch nicht tun. Wer aber darauf verzichten kann, der kann sich auch für andere Verkehrsmittel entscheiden.

Wir aus Gastronomie und Hotellerie sind eine mächtige Branche mit einer gewaltigen Stimme. Wir können Vorbilder sein oder Dinosaurier. Wenn man so will, sind wir die „Tables for future“. Dafür müssen wir nicht einmal Freitags streiken. Sondern nur mit gutem Beispiel voran gehen.

Wir haben es in der Hand.

Ihnen allen wünsche ich „Frohes Neues Jahr“!

Herzlich, 
Ihr
Tim Oberstebrink
Herausgeber


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