Markgräflerland: Weingut Ehret erweitert

Markgräflerland: Weingut Ehret erweitertAls Ingo Ehret in den 1980er Jahren seine Ausbildung zum Kellermeister im Markgräflerland begann, sagte sein Ausbilder: “Rotwein? Das können wir hier nicht”. Klar, sind doch mehr als 60% der Anbaufläche mit Gutedel (Chasselas), Weiß- und Grauburgunder besetzt. Doch auch der Spätburgunder hat seinen Anteil im Anbaugebiet – und Ehrets Ehrgeiz war geweckt.

Heute ist er im Hauptberuf Kellermeister bei der Winzergenossenschaft Haltingen. Im Zweitberuf baut Ingo Ehret seit einigen Jahren sein eigenes Weingut auf und aus. Erst kürzlich wurden die Räume einer ehemaligen Metzgerei in Auggen gekauft – der Umbau läuft, und Mitte November wird eröffnet.

Eine intensive Ertragsreduzierung auf ca. 60 kg/ar beim Spätburgunder  und eine gezielte Entblätterung beim Gutedel (Chasselas) gehören ebenso zu den eigenen Qualitätsvorgaben, wie eine gezielte und streng kontrollierte Handlese. Ingo Ehret berichtet: “Mit den Weinen, die wir hier herstellen, fangen wir dort an, wo die Genossenschaften aus Gründen der Mengenverarbeitung aufhören müssen. Wir machen beispielsweise rigorose Traubenteilung. Das schmälert zwar den Ertrag pro Ar Rebfläche, aber die Trauben können sich so deutlich besser entwickeln. Das schmecken wir in unseren Weinen.”

Für die Premium Weine wird der klare Traubensaft in kleinen Edelstahlbehältern bei ca. 17°C bouquetschonend etwa 10 Tage vergoren und nach einer Hefelagerdauer von sechs Monaten auf Flaschen gefüllt. Die Réserve Weine werden ausschließlich in kleinen 225 ltr. Barriquefässern vergoren. Anschließend wird das Hefelager mehrmals aufgerührt, um dem Wein mehr Komplexität und eine unvergleichliche Aromatik zu verleihen.

Ehrets Zielgruppe sind die Weinliebhaber, die die perfekte Weinbegleitung zu perfekten Speisen suchen. Sein Grauburgunder beispielsweise, im Holzfass ausgebaut, passt hervorragend zu einem Stück reifem Munster-Käse. Und der Spätburgunder Réserve ist unschlagbar in der Kombination mit stark umamilastigen dunklen Saucen. Ochsenbäckchen lassen schön grüßen. Ganz zu schweigen vom naturtrüben Gutedel, der nach guter Sitte auf dem Hefebett bleibt – wie ein Muscadet “sur Lie”.

Auf die Frage, warum er nicht auch einen Grauburgunder ohne Holzfass ausbaut, meint Ehret nur: “Ich versuche, jedes Jahr aus jedem Wein das Allerbeste herauszuholen. Und bei dieser Grauburgunder-Lage, die zu den besten in Auggen gehört, passt das Holz am besten.”

Gerade experimentiert er mit einem auf traditionelle Art vergorenem Gutedel-Sekt – das Ergebnis ist mehr als vielversprechend.

Hinter vorgehaltener Hand wird der Kellermeister schon mal als Freak bezeichnet. Er lacht: “Wenn das bedeutet, dass ich bei der Herstellung meiner eigenen Weine keine Kompromisse eingehen muss, lasse ich mich gern so nennen!”

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