Welche Arten der Wasseraufbereitung gibt es – und wofür sind sie geeignet? FSE-News im Gespräch mit Jörg Forderer, Leiter Produktschulung bei der Winterhalter Deutschland GmbH.
Kalk in der Maschine, Schlieren auf den Gläsern: Wer spült, merkt schnell, dass Wasser nicht gleich Wasser ist. Vier Verfahren stehen zur Wahl – Enthärtung, Teilentsalzung, Vollentsalzung und Umkehrosmose. Jörg Forderer erklärt im Interview, was sie leisten und wann sich welches lohnt.
FSE-News: Herr Forderer, warum ist das Wasser beim Spülen so wichtig?
Jörg Forderer: Weil das Wasser über das Ergebnis entscheidet. Für ein gleichbleibend perfektes Spülergebnis spielt die Beschaffenheit des Wassers eine zentrale Rolle. Ohne Aufbereitung sehen Sie das sofort an den Gläsern.
FSE-News: Was passiert denn, wenn ich gar nichts mache?
Jörg Forderer: Das hängt davon ab, wie kalkhaltig das Wasser vor Ort ist. Sie bekommen Kalkablagerungen in der Maschine sowie Schlieren und Flecken auf Gläsern und Besteck. Mit einer professionellen Wasseraufbereitung lässt sich das wirkungsvoll vermeiden.
FSE-News: Ist das nur ein Schönheitsproblem?
Jörg Forderer: Nein. Auf Kalkablagerungen können sich Schmutz und Bakterien ansammeln. Es ist also auch ein Hygienethema.
FSE-News: Und die Maschine selbst?
Jörg Forderer: Die leidet mit. Mit passender Wasseraufbereitung bleibt die Funktionalität der Spülmaschine dauerhaft erhalten und die Lebensdauer wird verlängert.
FSE-News: Rechnet sich das für einen Gastronomen?
Jörg Forderer: In aller Regel ja. Ausfall-, Investitions- und Servicekosten werden reduziert. Dazu kommt: Reiniger und Klarspüler entfalten ihre optimale Wirkung und sorgen für ein besseres Spülergebnis bei geringerem Verbrauch.
FSE-News: Es gibt vier Verfahren. Wie finde ich das richtige?
Jörg Forderer: Die grundlegende Frage ist: Welchen Anspruch habe ich an das Spülergebnis?
FSE-News: Fangen wir vorne an: Was macht ein Enthärter?
Jörg Forderer: Der Enthärter ist die Grundlage. Er verhindert Kalkablagerungen und schützt die Spülmaschine vor Schäden. Das Spülergebnis wird dadurch besser.
FSE-News: Wie funktioniert das technisch?
Jörg Forderer: Die Enthärtung entfernt Calcium- und Magnesiumionen aus dem Wasser – das sind die Stoffe, die für Kalkablagerungen verantwortlich sind. Das geschieht meist durch Ionenaustausch: Die Härtebildner werden gegen Natriumionen ausgetauscht.
FSE-News: Reicht ein Enthärter für die meisten Betriebe?
Jörg Forderer: Für den Schutz der Maschine ist er die Basis, und für viele Geschirranwendungen genügt er. Für glasklare Gläser ohne Nachpolieren reicht er aber nicht.
FSE-News: Warum nicht?
Jörg Forderer: Weil die Enthärtung die Härtebildner nur austauscht. Der Salzgehalt im Wasser bleibt – und der wird beim Trocknen als Rückstand sichtbar.
FSE-News: Dann kommt die Teilentsalzung ins Spiel?
Jörg Forderer: Genau. Die Teilentsalzung ist die Stufe für gehobene Ansprüche. Die Reduzierung des Salzgehalts im Wasser sorgt für eine deutliche Verbesserung der Spülergebnisse.
FSE-News: Was passiert dabei im Gerät?
Jörg Forderer: Die im Wasser mitgeführten Calcium- und Magnesiumionen liegen in einer Karbonatverbindung vor. In der Teilentsalzungsanlage werden sie gegen Wasserstoffionen ausgetauscht.
FSE-News: Für welche Maschinen ist das gedacht?
Jörg Forderer: Für Untertisch- und Haubenspülmaschinen. Bei uns sind das die Patronen TE 15 und TE 20.
FSE-News: Die nächste Stufe ist die Vollentsalzung. Was bringt die?
Jörg Forderer: Sie steht für höchste Ansprüche: keinerlei Ablagerungen auf Gläsern und Besteck. Kein manuelles Nachpolieren notwendig.
FSE-News: Was wird dem Wasser entzogen?
Jörg Forderer: Sämtliche Salze und Mineralien. Durch das Ionenaustauschverfahren erhalten Sie Wasser von höchster Qualität – technisch über die Kombination von Kationen- und Anionenaustauscherharz.
FSE-News: Für welche Maschinen empfehlen Sie das?
Jörg Forderer: Für Untertischspülmaschinen. Im Programm haben wir dafür die Patronen VE 15 und VE 20.
FSE-News: Und warum nicht für größere Maschinen?
Jörg Forderer: Das ist eine Frage der Wassermenge. Die Patronen arbeiten mit Harz, das sich mit der Zeit erschöpft und getauscht werden muss. Bei viel Wasser wird das aufwendig – dann ist die Umkehrosmose der bessere Weg.
FSE-News: Was macht die Umkehrosmose anders?
Jörg Forderer: Sie arbeitet rein physikalisch. Das Wasser wird mit mechanischem Druck durch eine Membran gepresst, so werden bis zu 98 % der Inhaltsstoffe entfernt.
FSE-News: Was bleibt zurück?
Jörg Forderer: Gelöste Salze, organische Stoffe und andere Verunreinigungen werden von der Membran zurückgehalten. Es gelangt fast nur reines Wasser hindurch.
FSE-News: Was heißt das für den Betrieb?
Jörg Forderer: Durch den hohen Reinheitsgrad des Wassers lassen sich perfekte Spülergebnisse erzielen – ganz ohne manuellen Polieraufwand.
FSE-News: Für welche Maschinen gibt es das?
Jörg Forderer: Für alle Maschinenserien. Eingebaut ist das die UC Excellence-i, extern die AT Excellence-S und AT Excellence-M sowie die RoMatik 210 und RoMatik 420 für größere Anwendungen.
FSE-News: Wenn ein Gastronom Sie um Rat fragt – welche Fragen stellen Sie zuerst?
Jörg Forderer: Drei. Was wird gespült: Gläser, Besteck, Geschirr oder Gerätschaften? Welches Wasser kommt bei Ihnen aus der Leitung? Und: Wird bei Ihnen nachpoliert?
FSE-News: Warum die Frage nach dem Polieren?
Jörg Forderer: Weil das bares Geld ist. Wer Gläser poliert, zahlt Personalzeit für ein Problem, das die Wasseraufbereitung technisch löst.
FSE-News: Muss ich mein Wasser messen lassen?
Jörg Forderer: Unbedingt. Die Wasserqualität ist von Ort zu Ort verschieden. Das muss man messen, nicht schätzen.
FSE-News: Was ist der häufigste Fehler in der Praxis?
Jörg Forderer: Dass die Wasseraufbereitung erst nach dem Kauf der Maschine mitgedacht wird. Sie gehört in die Planung – zusammen mit der Wasseranalyse.
FSE-News: Und danach ist Ruhe?
Jörg Forderer: Nein. Harz erschöpft sich, Patronen müssen getauscht, Membranen gepflegt werden. Eine Wasseraufbereitung, die niemand im Blick hat, arbeitet irgendwann nicht mehr richtig – und dann sind Kalk und Schlieren zurück.
FSE-News: Ihr Rat in einem Satz?
Jörg Forderer: Denken Sie beim Kauf einer Spülmaschine unbedingt an die Wasseraufbereitung, sie ist ein wesentlicher Bestandteil für das perfekte Spülergebnis.
FSE-News: Herr Forderer, vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person: Jörg Forderer ist Leiter Produktschulung bei der Winterhalter Deutschland GmbH.


