Der GN-Behälter wird zur Datenquelle
Interview mit Max Maier, Inhaber und Geschäftsführer der Rieber GmbH & Co. KG, Reutlingen
Mit der GN fillstation, dem digitalen Mehrwegsystem CHECK TRACE und dem konischen GNauto-Behälter treibt Rieber die Digitalisierung der Speisenproduktion in der Gemeinschaftsverpflegung konsequent weiter. Wir haben mit Inhaber und Geschäftsführer Max Maier über grammgenaue Abfüllung, lückenlose Rückverfolgbarkeit und die Frage gesprochen, warum ein QR-Code aus dem Edelstahlbehälter ein digitales Werkzeug macht.
foodservice-equipment.de: Herr Maier, Rieber hat zum 100-jährigen Jubiläum auf der Host 2025 in Mailand unter dem Leitmotiv „Augmented Food Logistics“ eine ganze Reihe an Neuheiten gezeigt. Im Mittelpunkt steht die GN fillstation. Was kann sie konkret?
Max Maier: Die GN fillstation adressiert einen Prozessschritt, der in jeder Großküche zigfach am Tag stattfindet und der bisher fast überall manuell, mit Zettel und Augenmaß abgewickelt wurde – das Abfüllen der Speisen in GN-Behälter. Wir haben diesen Schritt durchgängig digitalisiert. Die fillstation importiert den Abfüllplan direkt aus dem Warenwirtschaftssystem. Vor dem Befüllen wird der QR-Code des GN-Behälters gescannt und mit den hinterlegten Speiseinformationen verknüpft. Eine integrierte Waage stellt sicher, dass jede Lieferposition grammgenau abgefüllt wird – für jede Lieferstelle, exakt nach Vorgabe.
Klingt nach einem Kassensystem fürs Abfüllen.
Das Bild ist gar nicht so schlecht. Was beim Bezahlen an der Kasse selbstverständlich ist – Artikel scannen, Menge erfassen, dokumentieren – das machen wir jetzt für die Speisenproduktion. Der Vorteil: Verwechslungen sind systemseitig ausgeschlossen, die Portionsgrößen stimmen, und alle Daten – Charge, Allergene, Produktionszeit, MHD, Zielort – wandern mit dem Behälter mit, weil sie „digital“ auf seinen QR-Code geschrieben werden. Für die Kommissionierung, die Regeneration vor Ort, die Ausgabe – überall stehen die Informationen sofort wieder bereit.
Sie arbeiten mit einem gelaserten QR-Code nach GS1 Digital Link. Warum dieser Standard?
Weil es ein offener, weltweit etablierter Standard ist. Wir bauen kein proprietäres System, das den Kunden an Rieber bindet. Der GS1 Digital Link erlaubt es, eine eindeutige Behälteridentität mit beliebigen prozessrelevanten Informationen zu verknüpfen – und je nach Prozessschritt werden andere Daten abgerufen. Der Spüler sieht etwas anderes als der Koch in der Regenerationsküche, und der Disponent sieht wieder etwas anderes. Aber alle greifen auf dieselbe Datenbasis zu. Das ist der Punkt, an dem aus einem Edelstahlbehälter ein digitales Werkzeug wird.
Damit sind wir bei CHECK TRACE, dem Mehrwegsystem rund um den Code. Was leistet das System über das Abfüllen hinaus?
CHECK TRACE ist im Kern die Antwort auf drei Probleme, die jeder Gemeinschaftsverpfleger kennt: Behälterschwund, Zettelwirtschaft und fehlende Nachweise. Jeder GN-Behälter und jeder Deckel ist bei uns lasergraviert eindeutig identifizierbar. Das heißt: Sie wissen jederzeit, wo welcher Behälter ist, wie lange er sich beim Kunden befindet, ob die Leihfrist eingehalten wird, wann er zuletzt gereinigt wurde, was zuletzt drin war. Die Kommissionierung läuft papierlos per Scan – Auftrag, Tour, Wagen werden gescannt, das System meldet die Vollständigkeit. Medienbrüche fallen weg, die Datenkette bleibt auditfähig.
Welche Größenordnung an Aufwand spart das in der Praxis?
Wir haben Referenzkunden, bei denen wir jährlich 175.000 Seiten Dokumentationslisten, rund 15.000 Euro Druck- und Papierkosten und 27 Tonnen Einwegverpackungen einsparen. Das sind keine Modellrechnungen, das sind Zahlen aus dem laufenden Betrieb. Bei Audits berichten Kunden, dass sie für die geforderten Unterlagen einen Bruchteil der früheren Zeit benötigen. Und der Behälterschwund – traditionell ein massiver Kostenfaktor – sinkt drastisch, weil jeder einzelne Behälter rückverfolgbar ist.
Wer ist die Zielgruppe? Großcaterer? Oder auch kleinere Betriebe?
Beides. CHECK TRACE skaliert. Wir bieten mit TRACE LIGHT eine kostenlose Einstiegsvariante an: Jeder Rieber-Behälter bringt den QR-Code serienmäßig mit, und Grundfunktionen wie Bestandsübersicht und einfache Equipment-Verwaltung sind sofort nutzbar. Wer mehr will – Schnittstellen zur Warenwirtschaft, vollständige Kommissionierung, lückenlose Rückverfolgung über alle Prozessschritte –, der steigt ins volle CHECK TRACE ein. Caterer wie necta haben bereits eigene Schnittstellen zu CHECK TRACE umgesetzt. Kita- und Schulverpflegung ist mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab August 2026 ein Riesenthema.
Sie haben den GNauto-Behälter erwähnt. Worin unterscheidet er sich vom klassischen GN-Behälter?
Der klassische GN-Behälter ist seit 1964 Standard – eingeführt übrigens damals von uns. Er ist hervorragend, aber er hat eine Schwäche: Er stapelt nicht platzsparend. Der GNauto-Behälter hat ein konisches Design. Damit reduziert sich der Platzbedarf in der Lagerhaltung um bis zu 75 Prozent. Er lässt sich problemlos und ohne Verkeilen entstapeln, ist also auch für automatisierte und robotergestützte Prozesse geeignet. Für unsere Kunden bedeutet das: mehr Output bei gleicher Fläche – ein strukturelles Skalierungsproblem, das wir lösen, ohne dass jemand bauen muss.
Bleibt CHECK HACCP. Wie greift es in das Gesamtbild?
CHECK HACCP ist die Dokumentationsschicht für alles, was Hygiene und Lebensmittelsicherheit betrifft. An jedem kritischen Kontrollpunkt wird ein QR-Code gescannt, die App führt den Anwender, der bluetoothfähige Kerntemperaturfühler übermittelt die Messwerte direkt an die CHECK CLOUD – HACCP-konform dokumentiert und vier Jahre revisionssicher archiviert. Bei Grenzwertabweichungen erhält der Verantwortliche sofort eine Benachrichtigung mit Korrektur- und Handlungsanweisungen. In den thermoporten haben wir das auf die nächste Stufe gehoben: KI-gestützte Kerntemperatur-Indikation auf 0,5 °C genau, ohne manuelles Messen. Die Zeitersparnis gegenüber Papierdokumentation liegt bei rund 80 Prozent. Wichtig: Das funktioniert auch mit weniger geschultem Personal oder Zeitarbeitskräften, weil die App durch jeden Schritt führt. Das ist im aktuellen Fachkräftemarkt entscheidend.
Sehen Sie CHECK HACCP, CHECK TRACE und die GN fillstation als getrennte Produkte oder als ein System?
Klar als ein System. Es ergibt keinen Sinn, eine grammgenaue Abfüllung zu haben, wenn die Temperaturkette danach nicht dokumentiert ist. Und es hilft niemandem, die Temperatur zu überwachen, wenn der Behälter im Rücklauf verschwindet. Wir denken den gesamten Foodflow – von der Befüllung über Verdeckelung, Kommissionierung, Transport, Ausgabe und Regeneration bis zum Rücklauf an die Spülstraße. An jedem Punkt der Kette ist der Behälter eindeutig identifiziert, an jedem Punkt werden die richtigen Daten geschrieben oder gelesen.
Letzte Frage: Wo sehen Sie Rieber in fünf Jahren?
Wir werden den Weg konsequent weitergehen, den wir 2012 begonnen haben: Alle unsere Produkte bekommen ein Gedächtnis und werden vernetzt. Die nächste Stufe ist die robotergestützte Speisenproduktion und -logistik – der GNauto-Behälter ist genau dafür gebaut. Auf der Intergastra in Stuttgart haben wir Anfang Februar das skalierbare GN-Mehrwegsystem für Kita- und Schulverpflegung im Detail gezeigt. Augmented Food Logistics ist für uns kein Marketingbegriff, sondern unser Arbeitsprogramm.
Herr Maier, vielen Dank für das Gespräch.

