6.000 Dollar für schmierige Steaks

Das Thema ist schon seit März diesen Jahres im Blätterwald unterwegs – nun mit neuem Rückenwind: Der größte Fleischkonzern der Welt (JBS) hat seinem Heimatland Brasilien über Jahre hinweg systematisch Inspekteure von Schlachthäusern bestochen. Sie erhielten monatlich bis zu 6.000 Dollar. Die EU droht mit einem Importstopp.

Gerade am vergangenen Wochenende wollte Staatssekretär Eumar Novacki aus dem braslianischen Landwirtschaftsministerium europäische Importeure davon zu überzeugen, dass brasilianisches Fleisch streng kontrolliert werde und deshalb unbedenklich importiert werden könne. Dazu ist er eigens nach Genf geflogen. Ein schwieriges Unterfangen – denn just aus den Medien seines Heimatlandes verlautete zeitgleich, dass der in einen Korruptionsskandal verwickelte Fleischkonzern JBS nach eigenen Angaben mehr als 200 Inspekteure von Schlachthäusern geschmiert haben soll – über Jahre und mit monatlich festen „Gehältern“ zwischen umgerechnet 300 bis 6.000 Dollar.

Von der Regierungskrise, die der Fleischkonzern ausgelöst hat, ganz zu schweigen: JBS gab zu, jahrelang hochrangige Minister und sogar den Präsidenten bestochen zu haben. Wer der Kronzeuge ist? Niemand anderes als der JBS-Präsident Wesley Batista höchstselbst. Er hat sich in seiner Aussage unter Anderem verpflichtet, in den nächsten Wochen die Liste der bestochenen Inspektoren zu liefern.

Staatssekretär Novacki deutete an, dass vermutlich noch weitere Konzerne ähnlich kriminell vorgegangen seien. Allerdings sagt er gleichzeitig, dass die Qualitätskontrollen durch die Schmiergeldzahlungen zu keinem Zeitpunkt vernachlässigt wurden.

 


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