Buchbesprechung: Der Küchencoach

Diese Woche klingelt der Postbote und bringt mir ein Rezensions-Exemplar eines neuen Buchs. Da ich selbst gelernter Koch bin und in den letzten 18 Jahren viele Beratungsprojekte durchgeführt habe, springt mir der Titel gleich ins Auge: DER KÜCHENCOACH. Der Autor? Björn Grimm. Da klingelt’s bei mir: Björn ist ein Beraterkollege und, wie ich selbst, Mitglied im FCSI, dem weltgrößten Berufsverband der Planer und Berater für gastgebende Betriebe.

Na gut, denke ich, da hat mal wieder jemand die Idee, diejenigen zu coachen, von denen es ohnehin bald keine mehr geben wird.

Ich schlage das Werk auf und denke: “Hoffentlich nicht wieder alter Wein in neuen Schläuchen.” – Doch allein der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt mir: Hier hat sich jemand einmal richtig Gedanken gemacht und pinnt nicht nur in Lehrbüchern ab, die älter sind als Escoffier und Meffert zusammen.

Grimm schafft es, gemeinsam mit seinem Autorenteam, besonders die Nicht-Leser unter der Zielgruppe, ans Buch zu fesseln. Kurze, eingängige Texte. Leicht zu verstehen – und wenn es mal komplizierter wird, mit anschaulichen Grafiken bestückt.

Das Werk ist geeignet für all jene, die der Meinung sind, dass sie keinen Berater brauchen – sondern lieber mal selbst irgendwo nachschlagen und das Gelesene mit ihren eigenen Erfahrungen und dem gesunden Menschenverstand anreichern.

Beeindruckend ist der Teil, der sich mit Investitions-Entscheidungen beschäftigt. Das Autorenteam räumt auf mit dem weit verbreiteten Hang zu Liebhaber-Objekten, defizitären elterlichen Betrieben, mit Erinnerungsstücken vollgestopften Hotels und Gasthöfen. Statt anzubauen und für viel Geld den alten Betrieb zu sanieren oder zu erweitern, könnte man, mit der nötigen Nüchternheit, meist sogar einen Konkurrenzbetrieb dazu kaufen – für weniger Geld.

Demzufolge ist der Titel “DER KÜCHENCOACH” meines Erachtens zu kurz geworfen. Macht aber nichts – denn gerade Traditionsbetriebe leben vom F&B-Geschäft und die Küche ist die Produktionsabteilung.

Alter Wein in neuen Schläuchen? Nicht ganz. Eher eine wunderbar neu zusammengestellte und vor allem bekömmliche Cuvée, die auch in einigen Jahren noch genießbar ist.

Mein Tipp: Kaufen. Und wenn man nicht gleich hineinsieht – irgendwann auf jeden Fall. Dann bitte aber nicht über sich selbst ärgern, weil man Zeit verloren hat.

Foto-Galerie (klick = groß):

Die Buchbesprechung wurde verfasst von: Tim Oberstebrink FCSI